Barrierefreie Promenade in Büsum hinterm Deich. Foto TMS Büsum

Ungenügend beleuchtete Zugänge zu Toiletten, laute Umgebungsgeräusche, die eine Unterhaltung unmöglich machen, oder schlecht lesbare Speisekarten. Viele Menschen haben Probleme, sich im Urlaub zurecht zu finden. Das Projekt „Zugänglichkeit und Komfort für alle“ will touristische Betriebe und Kommunen in Schleswig-Holstein dafür sensibilisieren, mehr Lebensqualität für Urlauber zu schaffen. Büsum, Sylt und Lütjenburg sind die ersten drei Pilotregionen, die den Tourismus für alle fördern wollen.

„Gäste mit Beeinträchtigungen wählen ihren Urlaubsort genauso aus wie andere Gäste: Nach Qualität, Schönheit, Angebot – und nach Serviceleistungen, die ihnen ermöglichen, ihren Urlaub wirklich zu genießen“, weiß Anke Lüneburg, Projektmanagerin für Barrierefreiheit im Tourismus in Schleswig-Holstein. In den drei Pilotregionen Büsum, Sylt und Lütjenburg gehe es vor allem um die Schaffung von Angeboten und Serviceleistungen für Gäste, die sich nicht (mehr) gut bewegen können, sehbeeinträchtigt oder schwerhörig sind. „Häufig empfinden sich solche Gäste nicht als ‚beeinträchtigt‘, freuen sich jedoch über unauffällige Unterstützung wie gut beleuchtete Treppen oder ruhige Ecken in Restaurants“, so Lüneburg.

Die gelernte Hotelfachfrau, Betriebswirtin und Touristikerin hat mit der neu geschaffenen Position am 1. September 2019 die Aufgabe übernommen, das Thema „Barrierefreiheit im Tourismus“ im Land neu aufzustellen. Ihre Stelle ist bei der Wirtschaftsförderung und Technologietransfer Schleswig-Holstein GmbH (WTSH) in Kiel angesiedelt und sie arbeitet eng mit dem Tourismus-Cluster Schleswig-Holstein zusammen. „In unserem Projekt geht es weniger um rollstuhlgerechte Angebote – die natürlich auch wichtig sind – sondern vor allem um Zugänglichkeit und Komfort für alle. Menschen mit kurzzeitigen Einschränkungen durch eine Knie- oder Hüftoperation oder Eltern mit Kinderwagen profitieren genauso davon“, betont Anke Lüneburg. Ihr Ziel sei es, kleine Angebote zu schaffen, die nicht viel kosten müssen. Denn nicht nur technische und bauliche Maßnahmen sind entscheidend für die Barrierefreiheit, schon die Sensibilisierung der Mitarbeitenden könne dazu beitragen, den Komfort zu verbessern. „Aufmerksame Mitarbeiter, die den Gästen, die offenbar die Speisekarte nicht gut lesen können, unaufgefordert eine tragbare Starkleuchte oder eine Auswahl an Brillen mit unterschiedlichen Sehstärken an den Tisch bringen, bieten genau das“, sagt die Touristikfachfrau.

Barrierefreiheit Büsum

Mit Hilfe eines Alterssimulationsanzugs testet Erik Kolle (Mitte) wie es sich anfühlt, 80 Jahre alt zu sein. Anke Lüneburg (links) von der WTSH und Diana Debus vom TMS Büsum helfen bei der Anprobe. Foto Guballa

„Barrierefreiheit ist aus touristischer Sicht ein wichtiges Thema“, weiß Ansprechpartnerin Diana Debus von Büsum Tourismus. Die Gemeinde Büsum habe sich bereits auf den Weg gemacht und den öffentlichen Raum und die touristische Infrastruktur barrierearm gestaltet. „Um in Zukunft aber weitere Angebote zu schaffen, sei es ein toller und wichtiger Schritt, dass Gastgeber, Betriebe und öffentliche Einrichtungen künftig kostenlos von Anke Lüneburg dabei unterstützt werden können, für alle Gästegruppen zugänglicher und komfortabler zu werden“, so Debus.

Dafür kommt Anke Lüneburg an je zwei Tagen für eine Analyse und persönliche Beratung in die Betriebe, weitere Termine können auch vereinbart werden. Ihr sei wichtig, dass sie vor Ort in den Betrieben nicht „missionieren“ wird, sondern bespricht, was mit einfachen Mitteln veränderbar wäre. „Wenn sowieso eine Renovierung geplant ist, könnten beispielsweise die Wände oder Decken auch akustisch gedämmt werden. Auch Dekoration kann zu einer besseren Akustik beitragen“, so Lüneburg. Wer an einem der rund zweistündigen Vor-Ort-Terminen Interesse hat, kann sich bei Frau Leinigen (leinigen@wtsh.de) anmelden.

  • 3.2.: Infoabend Sylt
  • 12./13.3.: Workshops Sylt
  • 18./19.2.: Workshops Büsum
  • 10.2.: Infoabend Lütjenburg
  • 11.2. & 4.3.: Workshops Lütjenburg