Sandra Keck (52) steht seit 30 Jahren auf der Bühne des Ohnsorg Theaters und hat sich in über 100 Rollen längst von der „jugendlichen Naiven“ zur Charakterschauspielerin gemausert. Zur Zeit ist sie als exzentrische Diva in der Komödie „Alarm in’t Grandhotel – Suite surrender“ zu sehen.

Sandra Keck steht gerade in der Rolle der exzentrischen Diva Claudia McFadden in der Komödie “Alarm in’t Grandhotel – Suite Surrender” auf der Bühne des Ohnsorg Theaters und geht anschließend auf Schleswig-Holstein Tournee. © Oliver Fantitsch

Wie sind Sie zur Schauspielerei gekommen?

Meine Eltern sagen, ich hätte schon als Kleinkind meine Barbie-Puppen hin- und hergeschoben und ihnen Regie-Anweisungen gegeben. Mit zehn Jahren habe ich dann angefangen, Kindertheater zu spielen und mit 14 Jahren meine erste Regie gemacht. Also irgendwie steckte das von Anfang an in mir drin. Mit 14 habe ich dann Rolf Zuckowski kennengelernt, mit dem Hit “…und ganz doll mich!” Fernsehluft geschnuppert und gemerkt: das ist etwas, was mir liegt. Nach der Uni bin ich an die Schauspielschule gegangen, wo der damalige Oberspielleiter des Ohnsorg Theaters unterrichtet hat und mich vom Fleck weg engagierte.

Sie sind seit 1990 festes Ensemblemitglied am Ohnsorg-Theater. Was reizt Sie an dieser Aufgabe bis heute?

Wenn man eine Ausbildung gemacht hat, dann gibt es ja verschiedene Möglichkeiten. Entweder man entscheidet sich, in irgendeinem Stadttheater als Dritte von links Nebenrollen zu spielen oder man sucht sich eine Nische. Ich kann zwar von Haus aus kein plattdeutsch, aber Sprachen lagen mir schon immer. Ich habe schon als Schülerin die plattdeutschen Vorlesewettbewerbe mitgemacht und hatte daher überhaupt keine Berührungsängste mit dem Niederdeutschen. Und am Ohnsorg Theater habe ich mich von Anfang an sauwohl gefühlt. Es ist ein tolles Theater mit einer professionellen Arbeitsatmosphäre. Ich habe ziemlich schnell große Rollen bekommen und nie das Gefühl gehabt, ich müsste da wieder weg oder würde mich durch das Plattdeutsche künstlerisch einengen.

Wie viel Plattdeutsch steckt in Ihrem Alltag?

Ich mache plattdeutsch nur für Geld (lacht). Ich bin zwar in Cuxhaven aufgewachsen, aber habe italienische Vorfahren. In der Familie gab es also leider niemanden, mit dem ich plattdeutsch hätte sprechen können. Das hätte ich toll gefunden. Ich habe die Sprache als junge Frau anhand von Textbüchern beim plattdeutschen Amateurtheater wie eine Fremdsprache gelernt.

Sie sind gerade in der Verwechslungskomödie „Alarm in’t Grandhotel“ zu sehen. Worum geht’s in dem Stück?

Ich darf einen Superweltstar aus Amerika spielen, der etwas zickig ist. Diese Opernsängerin kommt in das Grandhotel „Vier Ozeane“ nach Hamburg und wird versehentlich in einer Suite untergebracht, in der schon ihre Erzfeindin, ebenfalls eine berühmte Diva, einquartiert wurde. Das sorgt natürlich für wahnsinnige Verwechslungen und einen Zickenkrieg ohne Gleichen, denn beide gönnen sich nicht das Gelbe vom Ei. Den armen Hoteldirektor, hervorragend gespielt von Erkki Hopf, zerreiben wir förmlich zwischen uns.

Das ist eine Paraderolle par excellence für Sie. Was macht Ihnen daran besonders viel Spaß?

Es gibt ja schon Momente im Leben, die man normalerweise nicht ausleben darf. Die Figur kommt rein und ihr wird alles abgenommen. Jeder zittert, weil er Angst hat, irgendwas könnte ihr nicht gefallen. Das hätte man doch im richtigen Leben auch mal ganz gern – für ein, zwei Tage vielleicht (lacht) – und ich darf es in dieser Rolle komplett rauslassen.

Mit dem Stück geht das Ohnsorg-Theater zurück zu seinen Wurzeln als Volkstheater, was beim Publikum offensichtlich gut ankommt. Merken Sie das an den Reaktionen?

Das Publikum amüsiert sich wie Bolle, denn das Stück ist wirklich intelligent gemacht mit tollen Schauspielern und Kostümen. Es ist eine richtige Screwball-Komödie mit Tür auf, Tür zu in einem wahnsinnigen Tempo. Das ist Ohnsorg Theater, wie das Publikum es mag. Besser kann man Volkstheater nicht auf die Bühne bringen.

Das Haus versucht immer wieder durch moderne Stücken wie „Adam sien Appeln“, „Honnig in‘n Kopp“ oder „Plattdüütsch för Anfängers“ ein Publikum zu gewinnen, dessen Muttersprache nicht Plattdeutsch ist. Auch Ihre Produktionen „Rock op platt“ gehen ja in diese Richtung. Ist das der richtige Weg, um das Ohnsorg Theater ins neue Jahrzehnt zu führen?

Wir sind ein plattdeutsches Theater und sollten uns darauf konzentrieren, denn das ist unser Alleinstellungsmerkmal. In Hamburg gibt es so viele andere Theater – wir sind das professionelle Mundart-Theater in Norddeutschland. Da sollten wir dranbleiben. Die modernen Stücke, die wir ja seit Jahrzehnten immer wieder spielen, gehören auch dazu; trotzdem sieht man, dass der Zulauf der Zuschauer bei den volkstümlichen Stücken aktuell noch höher ist. Das sollte man meines Erachtens in den nächsten Jahren vorrangig bedienen.

“Ich möchte die Menschen unterhalten und bin mit Herz und Seele Volksschauspielerin.”

Sandra Keck
Foto: Torsten Kollmer

Sie feiern in diesem Jahr Ihr 30. Bühnenjubiläum am Ohnsorg-Theater und haben sich in über 100 Rollen längst von der Figur der „jugendlichen Naiven“ zu Charakterrollen gemausert. Würden Sie sich als Volksschauspielerin bezeichnen?

Unbedingt. Das bin ich mit Herz und Seele und dafür habe ich mich ganz früh in meinem Leben entschieden. Ich möchte Menschen unterhalten. Wenn es mir gelingt, wie es oft geschieht, dass die Menschen nach der Vorstellung zu mir kommen und sagen: wir haben so gelacht, aber auch ein paar Tränen verdrückt, dann ist es genau das, was Volkstheater erreichen will.

Neben Ihren Rollen am Ohnsorg Theater machen Sie Soloprogramme mit und ohne Gesang, Regiearbeiten, Hörbuchproduktionen. Was ist die Triebfeder für diese Umtriebigkeit?

Auch dabei möchte ich unterhalten. Und wenn das Publikum hinterher sagt: Das war eine ‚kecke‘ Inszenierung, dann bin ich hochbeglückt, dem Stück meinen persönlichen Stempel aufgedrückt zu haben. Wenn die Menschen mich auf dem Nachhauseweg ein kleines bisschen bei sich behalten, ist das eine tolle Antriebsfeder und gibt unheimlich viel Energie und Glückshormone.

Aufführungs-Termine gibt es hier