SHMF: Festivalfinale mit Jan Lisiecki

Mit Edvard Griegs Klavierkonzert endet am Sonntag, den 30. August das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF). Gemeinsam mit der NDR Radiophilhamonie spielt Jan Lisiecki eines der beliebtesten Werke der romantischen Klavierliteratur. Der kanadische Pianist verbindet mit dem Festival eine lange Geschichte. Bereits 2013 erhielt er hier den Leonard Bernstein Award. Im Gespräch spricht er über seine Beziehung zum SHMF und die besondere Atmosphäre von Griegs Konzert.

Pianist Jan Lisiecki beendet das SHMF mit dem Klavierkonzert von Grieg in Kiel. © Christoph Koestlin

Herr Lisiecki, Sie haben 2013 beim Schleswig-Holstein Musik Festival den Leonard Bernstein Award erhalten und sind seitdem immer wieder zu Gast. Welche Bedeutung hat das Festival heute für Sie?

Ich schätze Festivals, die Musik zu den Menschen bringen. Genau das gelingt dem Schleswig-Holstein Musik Festival. Die Konzerte finden nicht nur in großen Städten statt, sondern auch in Kirchen, Scheunen oder an anderen besonderen Orten. Dadurch wird klassische Musik für viele Menschen erreichbar, die sonst vielleicht keine Gelegenheit hätten, solche Konzerte zu besuchen. Außerdem beeindruckt mich das Festivalorchester. Es gibt jungen Musikerinnen und Musikern die Möglichkeit, mit Solisten und Dirigenten zusammenzuarbeiten und wertvolle Erfahrungen zu sammeln. Und natürlich verbinde ich viele persönliche Erinnerungen mit dem Festival. Konzerte in der Elbphilharmonie gehören ebenso dazu wie ein Auftritt in einer Kuhscheune, in der der Flügel mit einem Kran hereingehoben werden musste. Ich komme immer wieder gern zurück und freue mich darauf, neue Eindrücke zu sammeln.

Wenn Sie auf die vergangenen Jahre Ihrer Karriere zurückblicken: Was hat sich für Sie als Musiker am stärksten verändert?

Musik ist ein ständiger Entwicklungsprozess. Es gibt keinen Punkt, an dem man sagen könnte, jetzt habe ich alles erreicht. Mit der Zeit verändert sich die eigene Sicht auf die Werke und damit auch ihre Interpretation. Besonders wichtig geworden ist mir, Konzertprogramme zusammenzustellen, die dem Publikum einen neuen Blick auf bestimmte Themen oder Komponisten eröffnen. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass das Leben mehr umfasst als Konzerte. Während der Pandemie wurde mir bewusst, wie wichtig Zeit zu Hause und in der Natur ist. Ich spiele heute noch immer rund hundert Konzerte im Jahr, weiß aber inzwischen viel besser, was ich brauche, um diese Arbeit dauerhaft mit Freude machen zu können.

Sie beschließen das Festival mit Griegs Klavierkonzert a-Moll op. 16. Warum passt dieses Werk so gut an das Ende eines Festivals?

Griegs Musik besitzt eine besondere Nähe zur Natur. Sie erzählt von Weite, vom Meer und von der Landschaft des Nordens. Kiel liegt direkt an der Förde und von dort ist Norwegen nicht weit entfernt. Diese Verbindung kann man beim Hören fast spüren. Gleichzeitig steckt in diesem Konzert unglaublich viel Schönheit und Lebensfreude. Es gibt Momente voller Kraft, aber ebenso Augenblicke großer Ruhe und Einsamkeit. Genau diese Mischung macht das Werk für mich so besonders. Ich liebe dieses Konzert.

Ihr Klavierspiel gilt als transparent und lyrisch. Wie finden Sie in einem so virtuosen Werk die Balance zwischen Kraft und Zurückhaltung?

Das Klavier besitzt eine enorme Vielfalt an Klangfarben und Dynamik. Gerade Griegs Konzert bietet dafür unzählige Möglichkeiten. Es gibt große, kraftvolle Passagen und unmittelbar danach sehr intime Momente wie im zweiten Satz.

Mir ist wichtig, der Partitur zu vertrauen. Manche Stellen wirken gerade deshalb so eindrucksvoll, weil sie schlicht geschrieben sind. Man muss sie nicht künstlich komplizierter oder romantischer machen. Manchmal spricht Musik am stärksten, wenn man ihre Einfachheit zulässt.

Sie haben mit vielen der bedeutendsten Orchester und Dirigenten gearbeitet. Wonach wählen Sie Ihre Projekte heute aus?

Ich entscheide mich für Projekte, auf die ich mich wirklich freue und die mir gleichzeitig neue Perspektiven eröffnen. Wenn ich auf der Bühne Freude empfinde, überträgt sich das auch auf das Publikum. Davon bin ich überzeugt.

Sie haben Ihre internationale Karriere bereits als Jugendlicher begonnen. Haben sich Ihre Prioritäten verändert?

Ja, eindeutig. Heute ist es mir wichtig, neben dem Konzertleben auch Zeit für andere Dinge zu haben. Ich bin gern draußen, arbeite im Garten, fahre Fahrrad oder gehe campen. Solche Momente gehören inzwischen genauso zu meinem Leben wie das Musizieren.

Zum Schluss: Wohin führt Sie Ihr künstlerischer Weg als Nächstes?

Darüber denke ich gar nicht so viel nach. Mich interessiert der Weg mehr als das Ziel. Ich genieße die Reise und lasse mich überraschen, wohin sie mich führt.

Abschlusskonzert
Sa, 29. August, 19.30 Uhr
So, 30. August, 19.30 Uhr

Konzerthaus am Schloss

Besetzung

Jan Lisiecki, Klavier
NDR Radiophilharmonie
Stanislav Kochanovsky, Dirigent

Programm

Maurice Ravel: »Une barque sur l’océan«
Edvard Grieg: Klavierkonzert a-Moll op. 16
Modest Mussorgsky: »Bilder einer Ausstellung«