Duo Amabile: „Vorhang auf“ im Meldorfer Dom

Wenn sich am 10. August im Meldorfer Dom der musikalische Vorhang zum nächsten Internationalen Sommerkonzert hebt, begegnen sich zwei Instrumente, die auf den ersten Blick nicht selbstverständlich zusammengehören. Das Duo Amabile mit der Klarinettistin Paula Breland und der Akkordeonistin Anna-Katharina Schau präsentiert sein Programm „Vorhang auf“ und spannt dabei einen Bogen von Mozart über Edward Elgar bis hin zu Tango, Weltmusik und zeitgenössischen Kompositionen.
Im Gespräch verrät Paula Breland mehr über das Programm.

Duo Amabile sind Paula Breland (Klarinette) und Anna-Katharina Schau (Akkordeon). Foto Clara Evers

Worauf darf das Publikum sich freuen?

Paula Breland: Auf Werke, die unheimlich bildhaft, theatralisch und spannend sind. Genau das ist auch unser roter Faden, der sich durch ganz verschiedene Epochen und Musikstile zieht. Wir wollen das Publikum mitreißen. Deshalb haben wir sehr ausdrucksstarke Stücke ausgewählt. Es gibt eine feurige Figaro-Ouvertüre von Mozart, polnische Tänze von Lutoslawski und einen leidenschaftlichen Tango. Sogar ein Werk im Stil von Wagner ist dabei, bei dem man erst viel später herausfand, dass es eigentlich von Heinrich Joseph Baermann stammt.

Sie bringen auch Auszüge aus Edward Elgars berühmten Enigma-Variationen auf die Bühne. Das ist eigentlich ein monumentales Orchesterwerk. Wie schaffen Sie es zu zweit, dass dabei nichts von der ursprünglichen Kraft verloren geht?

Paula Breland: Das war genau unser Anspruch, diese scheinbaren Grenzen unserer Besetzung auszutesten. Das Akkordeon ist ein unglaublich vielseitiges Instrument mit vielen Registern und Klangfarben. Man kann darauf sehr orchestral spielen und im Gegensatz zum Klavier sogar die Dynamik mit Crescendi und Decrescendi extrem fein steuern. René Kuwan hat das Stück speziell für uns arrangiert. Zusammen mit der Klarinette entsteht ein enormer Farbenreichtum, der die orchestrale Wucht des Originals wunderbar im intimen Rahmen auffängt.

Neben dieser emotionalen Tiefe bringen Sie mit dem Stück „Die zerstreute Brillenschlange“ von Wilfried Hiller auch Humor auf die Bühne. Was erwartet uns da?

Paula Breland: Da möchte ich gar nicht zu viel verraten, denn die Überraschung macht einfach den größten Spaß. Es ist ein sehr humorvolles Werk, das man nicht zu ernst nehmen darf. Meine Duopartnerin Anna übernimmt dabei auch die Rolle einer Erzählerin. Der Rest bleibt vorerst unser kleines Geheimnis.

Das Akkordeon ist das Instrument des Jahres 2026. Spüren Sie bei Ihren Auftritten, dass das Publikum diesem Instrument jetzt mit einer anderen Aufmerksamkeit oder Neugier begegnet?

Paula Breland: Ja, das würde ich schon sagen. Viele Menschen haben immer noch Vorurteile und denken beim Akkordeon sofort an Volksmusik oder ein Schifferklavier. Wenn wir dann auf der Bühne stehen und zeigen, wie filigran und hochkomplex klassische Musik auf dem Akkordeon klingen kann, sind viele total überrascht. Das Akkordeon hat eine enorme Bandbreite, weil man Melodie, Harmonie und Rhythmus gleichzeitig spielen kann. Es ist ein echter Weltenbummler, der im Tango genauso glänzt wie in barocker, klassischer oder eben zeitgenössischer Musik.

Ihre Ausbildungswege sind sehr unterschiedlich verlaufen. Anna hat schon mit sechs Jahren das Akkordeon für sich entdeckt, während Sie erst mit 15 Jahren zur Klarinette gegriffen haben. Dennoch haben Sie Ihr Studium in Hannover und Lübeck mit Bestnoten abgeschlossen. War dieser späte Start im Nachhinein vielleicht sogar ein Vorteil?

Paula Breland: Für mich war es auf jeden Fall eine sehr bewusste und eigene Entscheidung. Es gab in meiner Familie keinen musikalischen Hintergrund, die Begeisterung kam also ganz von außen und ich bin sehr dankbar dafür. Bei Anna war es natürlich auch eine ganz freie Entscheidung, weil sie sich schon als Kind in ihr Instrument verliebt hat. Aber der späte Start hat mir vielleicht noch einmal eine ganz andere, sehr persönliche Perspektive auf das Instrument und die Musik geschenkt.

Sie haben sich 2016 an der Musikhochschule in Hannover kennengelernt. Wie hat sich Ihre Zusammenarbeit über die Jahre entwickelt?

Paula Breland: Wir haben von Anfang an extrem eng zusammengearbeitet. Damals steckten wir beide noch am Anfang unseres Studiums und haben im Grunde ohne Pausen gemeinsam musiziert. Zusammen haben wir gelernt, wie man in einer kleinen Besetzung harmoniert. Wir teilen eine große Leidenschaft für zeitgenössische Musik und interdisziplinäre Projekte, beispielsweise mit Videodesign oder Lichtkunst. Aber wir lieben es genauso, immer wieder in die klassische Musik zurückzukehren. Wir probieren uns einfach stetig in neuen Bereichen aus.

Vor zwei Jahren haben Sie Ihr Debütalbum „Metamorphosis“ veröffentlicht. Schließt das neue Konzertprogramm daran an?

Paula Breland: Ja und nein. Das Album war ein durchgehend ineinander komponiertes Programm aus zeitgenössischen Werken. Unser Konzert im Meldorfer Dom folgt dagegen einem klassischen Aufbau mit eigenständigen Werken. Aber es gibt eine Brücke, denn die Enigma-Variationen von Elgar, die damals auf dem Album als roter Faden dienten, spielen wir auch jetzt wieder im neuen Programm.

Warum sollte man das Konzert am 10. August auf keinen Fall verpassen?

Paula Breland: Weil man diese Kombination aus Klarinette und Akkordeon in dieser Form nur sehr selten hört. Wir werden auf der Bühne auch spannende Geschichten zu den einzelnen Werken erzählen. Das Publikum erwartet ein Abend, der emotional in alle Richtungen geht. Es wird lustige Momente geben, aber auch sehr romantische und berührende Passagen. Es macht einfach großen Spaß und das sollte sich niemand entgehen lassen.

10. August, 20 Uhr
„Vorhang auf!“
Paula Breland, Klarinette
Anna-Katharina Schau, Akkordeon
Karten für 15 Euro im Kirchenbüro, in der Tourist Info und an der Abendkasse