Am 8. August 2026 ist es wieder so weit: Meldorf verwandelt sich in eine große Open-Air-Bühne für das Frequenzen-Festival, das größte Weltmusik-Festival in Schleswig-Holstein. Das Besondere an diesem Event ist, dass es komplett kostenlos, umsonst und draußen stattfindet, getragen von einem ehrenamtlichen Team und vielen lokalen Sponsoren. Als krönenden Abschluss für diesen Sommerabend hat das Festival eine ganz besondere Künstlerin gewonnen: Treesha.
Hinter dem Künstlernamen steht Patricia Wambui Mwaura. In ihrer Muttersprache Kikuyu bedeutet Treesha passenderweise „Sängerin von Liedern“. Wer sie einmal live erlebt hat, weiß, dass dieser Name kein Zufall ist. In ihrer Musik verbindet sie modernen Reggae, R&B und Pop mit den Klängen ihrer ostafrikanischen Heimat. Bekannt geworden ist sie unter anderem als Backgroundsängerin der Reggae-Größe Gentleman, mit dem sie jahrelang die Welt bereiste. Inzwischen steht sie selbst im Rampenlicht und hat mit „Love, Scars & Attitude“ („Liebe, Narben und Attitüde“) bereits ihr zweites Album veröffentlicht.

Treesha, dein Name bedeutet übersetzt „Sängerin von Liedern“. Wann ist dir klar geworden, dass das deine echte Bestimmung ist?
Treesha: Das habe ich in der Schule gemerkt, als ich anfing zu singen und die Reaktionen der Menschen sehr positiv waren. Danach habe ich bei Karaoke-Abenden in Bars gesungen, später dann auf Hochzeiten und im Gospelchor. Weil das Feedback immer so gut war, dachte ich mir: Das musst du weiterentwickeln. Genau das habe ich getan. Da wurde mir klar, dass das mein Weg ist.
Nach deinem Umzug nach Deutschland hast du eine Zeit lang ein echtes Doppelleben geführt. Tagsüber hast du als medizinische Fachangestellte gearbeitet, abends standest du im Studio oder auf der Bühne. Wie sehr hat dich diese intensive Zeit geprägt?
Treesha: Das war eine extrem harte Phase. Am Anfang ging es noch, weil ich während meiner Ausbildung zur medizinischen Fachangestellten vor allem nachts geübt habe und noch nicht so viel unterwegs war. Aber als ich dann bei Gentleman eingestiegen bin, wurde es unmöglich, beidem gerecht zu werden. Wir waren ständig auf Tour. Ich musste mir oft freinehmen und schließlich meine Arbeitszeit in der Praxis auf Teilzeit reduzieren. In dieser Teilzeitphase habe ich dann mein erstes eigenes Album herausgebracht. Also musste ich mich voll und ganz um meine eigene Karriere kümmern. Als meine Ausbildung beendet war und ich noch ein Jahr in dem Beruf gearbeitet hatte, wusste ich: Ich muss mich von der Praxis verabschieden, um mich ganz auf die Musik zu konzentrieren.
Du hast es erwähnt: Ab 2012 warst du als Backgroundsängerin mit Gentleman weltweit auf großen Bühnen unterwegs. Was war die wichtigste Lektion, die du aus dieser Zeit mitgenommen hast?
Treesha: Ganz klar der Teamgeist. Wir waren oft sehr lange auf Reisen. Da muss man lernen, Energie miteinander zu teilen und sich gegenseitig aufzubauen. Manchmal ist man selbst voller Energie und jemand anderes ist vielleicht gerade erschöpft. Dann gibt man etwas ab. Auf Tour und auf der Bühne lernt man schnell, wie wichtig Zusammenhalt ist.
Ist dieser Teamgeist heute für deine eigene Band, wenn du im Rampenlicht stehst, genauso wichtig?
Treesha: Er ist extrem wichtig. Es geht darum, auf derselben Wellenlänge zu sein. Wenn wir auf die Bühne gehen, muss die Stimmung im gesamten Team stimmen. Wenn im Kopf jeder ganz woanders ist, spürt man das sofort in der Musik. Und das Publikum merkt auch, wenn da oben auf der Bühne etwas nicht zusammenpasst. Deshalb ist es mir so wichtig, auf die Menschen um mich herum zu achten. Jeder Einzelne ist wichtig.
Dein aktuelles Album trägt den Titel „Love, Scars & Attitude“. Welche persönlichen Erlebnisse stecken in diesen Songs?
Treesha: Songs wie „What’s Your Problem“ oder „Don’t Waste My Time“ sind sehr persönlich. Ich musste erst lernen, meine Energie zu schützen und genau hinzusehen, wer meine Freundlichkeit verdient. Manchmal wird Gutmütigkeit einfach ausgenutzt. Die Liebeslieder auf dem Album handeln dagegen oft von Erfahrungen aus meinem Umfeld. Viele dieser Songs sind während der Pandemie entstanden, als ich miterlebt habe, wie Beziehungen und Freundschaften zerbrachen. Ich habe in dieser Zeit gelernt, wie wichtig es ist, sich selbst gut zu kennen und sich auch so zu zeigen, wie man ist, um Missverständnisse zu vermeiden. Und das Thema „Attitüte“, also die eigene Einstellung, bedeutet für mich schlicht Selbstliebe. Man darf sich selbst feiern und die eigene Einzigartigkeit annehmen.
Musikalisch verbindest du Reggae und R&B mit den Einflüssen deiner ostafrikanischen Heimat. Wie genau ist dieser ganz eigene Stil entstanden?
Treesha: Das verdanke ich vor allem meinen Geschwistern. Ich bin das jüngste von vier Kindern. Meine Schwester hat damals unheimlich viel R&B gehört, besonders Janet Jackson. Mein Bruder stand auf Reggae, vor allem Bob Marley, Dennis Brown und Morgan Heritage. Meine andere Schwester hat Rap gehört. Weil ich abends schon früh ins Bett musste, durfte ich damals selbst kaum Radio hören. Also habe ich einfach all die Musikrichtungen meiner Geschwister aufgesogen. Später habe ich beschlossen, das alles zu vermischen. Manchmal singe ich, manchmal rappe ich, und hier und da mische ich etwas Patois (Dialekt der Kreolsprache) hinein. So ist mein Stil entstanden.
Wie würdest du deinen Musikstil in wenigen Worten beschreiben?
Treesha: Ich würde sagen, das ist Afro-Urban-Pop.
Deine Live-Shows werden oft als Mischung aus purer Energie und großer Intimität beschrieben. Wie schaffst du diese direkte Verbindung zum Publikum, selbst auf großen Bühnen?
Treesha: Energie ist für mich der Schlüssel. Ich versuche immer, die Stimmung im Raum zu lesen. Ich versetze mich in die Lage der Menschen: Was fühlen sie gerade? Selbst bei meinen eigenen Songs frage ich mich, was ich selbst dabei empfinde und was die Musik den Leuten sagen kann. Wenn ich auf der Bühne merke, dass ein Song gerade nicht ankommt, passe ich das Set spontan an und spiele etwas, das besser zur aktuellen Stimmung passt. Man muss den Raum lesen können.
Letztes Jahr bist du im niedersächsischen Varel aufgetreten, also direkt an der Nordsee. In Meldorf bist du nun wieder ganz nah am Wattenmeer. Hast du auf Tour überhaupt Zeit, die Region kennenzulernen?
Treesha: Ich liebe die Natur und gehe auch zu Hause sehr viel spazieren. Deshalb nutze ich jede Gelegenheit, um die Gegend zu erkunden. Ich möchte wissen, wo ich bin, was das für Menschen sind und ob ich mir vorstellen könnte, dort zu leben. Ich bin unglaublich dankbar dafür, dass ich durch die Musik reisen und so viel von der Welt sehen darf. Selbst wenn ich vor einem Auftritt nur zehn Minuten Zeit habe, laufe ich eine Runde durch die Gegend.
Worauf freust du dich beim Frequenzen Weltmusik Open Air in Meldorf am meisten?
Treesha: Einfach auf die Menschen. Es ist eine riesige Freude, das Publikum vor sich zu haben, meine Musik dort zu teilen und die gemeinsamen Vibes zu spüren.
Warum wird dein Auftritt wahrscheinlich der heißeste Abschluss, den das Frequenzen-Festival je erlebt hat?
Treesha: Weil meine Musik extrem vielseitig ist und ich mit einer großartigen Band komme. Wir sind voller Energie und brennen absolut für diesen Auftritt. Kommt einfach vorbei und erlebt es selbst, dann werdet ihr verstehen, warum das die heißeste Show dieses Sommers wird!
Frequenzen Weltmusik Open-Air
8. August ab 18 Uhr, Rathausplatz Meldorf
Chansons Trottoir
Doctor Krápula
Treesha & Band
Weitere Infos: www.frequenzen-festival.de