Am Montag, den 27. Juli gastiert der Cellist Felix Thiemann gemeinsam mit der Pianistin Ulrike Mai und dem Keyboarder Lutz Gerlach unter dem Motto „Cellissimo“ bei den Internationalen Sommerkonzerten im Meldorfer Dom. Im Gespräch verrät der Musiker, was das Publikum erwartet.

Worauf darf das Publikum sich freuen?
Felix Thiemann: Auf jeden Fall auf ein sehr buntes Programm. Ich spiele normalerweise als festes Mitglied im Orbis Streichquartett. Dort arbeiten wir schon lange mit einem Konzept, bei dem wir klassischen Gesang und Instrumentalspiel miteinander verbinden und verschiedene Genres in eigenen Arrangements mischen. Die Idee für den Abend in Meldorf ist ganz ähnlich entstanden. Lutz Gerlach hatte unser Quartett damals bei einem Auftritt bei seiner Konzertreihe „Naturklänge“ auf der Halbinsel Fischland-Darss-Zingst gehört. Da seine Partnerin Ulrike Mai gerade nach einem Cellisten für gemeinsame Kammermusik suchte, kam eins zum anderen. Wir haben das bestehende Konzept auf unser Trio übertragen. Wir verknüpfen klassische Werke mit modernen Stücken, die teils eigens für diese Besetzung arrangiert wurden.
Das Programm spannt einen weiten Bogen von Claude Debussy und Dmitri Schostakowitsch über die Beatles und Leonard Bernstein bis hin zu Kompositionen von Lutz Gerlach. Wie kam es zu dieser Auswahl und worin liegt der gemeinsame rote Faden?
Felix Thiemann: Auf den ersten Blick wirkt die Zusammenstellung vielleicht etwas willkürlich, weil so viele verschiedene Epochen und Stile aufeinandertreffen. Aber es gibt einen klaren roten Faden. Alle Stücke, ob das „Lied ohne Worte“ von Felix Mendelssohn Bartholdy, der „Gesang des schwarzen Schwanes“ von Heitor Villa-Lobos oder die „Vokalise“ von Sergej Rachmaninow, thematisieren das Singen. Außerdem haben wir die Cello-Sonate von Claude Debussy in den Mittelpunkt des Programms gestellt. Debussy war ein Komponist, der sich selbst stark für andere Musikrichtungen interessierte und die Grenzen zwischen der sogenannten E- und U-Musik aufbrechen wollte. Uns reizt genau dieser Ansatz, die leichtere Musik mit der Ernsthaftigkeit einer Beethoven-Sonate einzustudieren und im Gegenzug die Klassik mit einer gewissen Leichtigkeit anzugehen. Für mich persönlich schließt sich in Meldorf zudem ein Kreis, da ich dort schon einmal Arnold Schönbergs „Pierrot Lunaire“ aufgeführt habe. Debussy hatte bei seiner Sonate die ungeschriebene Idee eines singenden Pierrot im Kopf, was eine schöne gedankliche Brücke schlägt.
Dass ein Cellist auf der Bühne nicht nur sein Instrument spielt, sondern auch singt, ist für viele Konzertbesucher ungewöhnlich. Wann haben Sie diese Kombination für sich entdeckt?
Felix Thiemann: Man sagt dem Cello ja nach, dass sein Klang der menschlichen Stimme von allen Instrumenten am nächsten kommt. Als ich vor etwa sieben Jahren beim Orbis-Quartett anfing, war das zeitgleiche Singen auf der Bühne trotzdem eine völlig neue Erfahrung für mich. Ich habe zwar schon als Kind immer gerne gesungen, aber für den professionellen Konzertrahmen habe ich dann gezielt Gesangsunterricht genommen. Man fühlt sich einfach sicherer, wenn man fundierte technische Tipps bekommt, um bestimmte Herausforderungen auf der Bühne zu lösen. Seit sieben Jahren wächst diese Leidenschaft nun. Der kreative Umgang mit den Programmen und das Arrangieren machen unheimlich Spaß. Mittlerweile ist das Singen zu einem festen Bestandteil meines musikalischen Schaffens geworden, den ich auf keinen Fall mehr missen möchte.
Lutz Gerlach wird in der Fachpresse oft als jazzbeeinflusster Romantiker beschrieben. Wie stark spiegelt sich diese Charakterisierung im Konzert wider?
Felix Thiemann: Das ist absolut herauszuhören. Die drei Stücke aus seiner Feder, die wir im Programm haben, zeigen deutlich seine Ausbildung als Jazzpianist. Gleichzeitig kann ich das Attribut der Romantik sehr gut nachvollziehen, da seine Musik eine spürbare, sehnsüchtige Note besitzt. Ich erinnere mich noch gut an unser erstes gemeinsames Musizieren in Ahrenshoop an der Ostsee. Der Strand, das Meer als Sehnsuchtsort und das besondere Abendlicht bildeten eine Kulisse, zu der seine Musik einfach perfekt passte. Diese sehr romantische Grundstimmung überträgt sich direkt auf die Stücke.
Sie haben an renommierten Musikhochschulen in Leipzig und Berlin studiert und in großen Klangkörpern wie dem Gewandhausorchester Leipzig gespielt. Wo liegt für Sie der größere Reiz: im großen Sinfonieorchester oder in der Intimität der Kammermusik?
Felix Thiemann: Mir bereitet tatsächlich beides große Freude. Ich glaube, es ist genau die Abwechslung, die für mich den Reiz ausmacht. Wenn ich ausschließlich im Orchester spielen würde oder nur mit einem festen Ensemble auf Tournee wäre, würde mir etwas fehlen. Ich empfinde es als großes Privileg und bin dankbar dafür, dass ich mich in so ganz verschiedenen musikalischen Welten bewegen darf.
Der Meldorfer Dom besitzt eine besondere Akustik. Wie passen Sie die feinen Nuancen Ihres Cellospiels und den Gesang an diesen riesigen Kirchenraum an?
Felix Thiemann: Ich freue mich sehr darauf, weil ich die Akustik des Doms in bester Erinnerung habe. Gerade für den Gesang ist so ein Raum hervorragend geeignet. Man könnte vermuten, dass feine farbliche Schattierungen oder die Artikulation auf dem Cello in einer so großen Kirche problematisch werden. Bei unserem Programm steht das aber gar nicht im Vordergrund. Wenn das Cello und die Stimme singen, ist der Kirchenraum ein echter Vorteil, weil er den Klang wunderschön trägt und fliegen lässt. Bei komplexeren, dichter komponierten Passagen, wie wir sie etwa bei Debussy finden, muss man natürlich aufpassen. Da gilt es, der Musik den nötigen zeitlichen Raum zu geben, damit sich die einzelnen Farben in der Akustik nicht überlagern, sondern sauber entfalten können. Grundsätzlich ist dieses Programm aber wie gemacht für den Dom.
Warum sollte man sich dieses Konzert auf keinen Fall entgehen lassen?
Felix Thiemann: Weil das Programm so vielseitig ist, dass für jeden Musikgeschmack etwas dabei ist. Es gibt ein wunderbares Zitat von Duke Ellington, das unsere Herangehensweise perfekt auf den Punkt bringt: Es gibt nur zwei Arten von Musik, die gute und die andere. Wir machen da keine künstlichen Unterschiede, alle Stile sind uns willkommen, solange die Qualität stimmt. Gerade diese farbenreiche Mischung aus Gesang und Instrumentalmusik besitzt einen ganz eigenen Reiz. Ich merke auf der Bühne selbst, dass das Publikum ganz besonders intensiv und unmittelbar reagiert, sobald der Gesang einsetzt. Es entsteht im Raum eine ganz andere Resonanz, die ich gar nicht rational erklären kann, die das Ganze aber zu einer sehr intensiven Erfahrung macht. Ich freue mich sehr auf den Abend.
27. Juli, 20 Uhr
CELLISSIMO
Ulrike Mai (Piano), Felix Thiemann (Cello), Lutz Gerlach (Keyboards)
Karten für 15 Euro im Kirchenbüro, in der Tourist Info, online und an der Abendkasse