Die Saxophonistin Asya Fateyeva verzauberte vor zwei Jahren das Konzertpublikum als Porträtkünstlerin des Schleswig-Holstein Musikfestival (SHMF). Am 12. August fusioniert die 36-Jährige gemeinsam mit der lautten compagney BERLIN die barocken Klangwelten Jean-Philippe Rameaus mit den Welthits von ABBA in der Maria-Magdalenen-Kirche Marne

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Frau Fateyeva, vor zwei Jahren waren Sie als Porträtkünstlerin beim Festival zu Gast und betonten im Gespräch, dass musikalische Grenzen immer häufiger verschwimmen. Mit Ihrem aktuellen Programm treiben Sie dieses Credo auf die Spitze: Sie lassen den französischen Barockkomponisten Jean-Philippe Rameau auf die Pop-Giganten von ABBA treffen. Wie viel Mut gehört dazu, Versailles und Stockholm miteinander tanzen zu lassen?
Asya Fateyeva: Ich glaube, das ist im Grunde etwas sehr Natürliches, auch wenn rund zwei- bis dreihundert Jahre Unterschied zwischen den Epochen liegen. Am barocken Hof wurde schließlich unentwegt getanzt. Das war damals eine riesige Party, angefangen beim König selbst, wenn die dort wild gefeiert haben. Dieser ausgeprägte Tanzaspekt verbindet beide Musikwelten ungemein. Bei unseren Arrangements verschmelzen die Stile sogar so stark, dass man ABBA durch die Nähe zu Rameau gar nicht unbedingt sofort heraushört. Ich bin schon sehr gespannt, wie viele Zuhörer im Publikum die Songs auf Anhieb richtig erkennen.
Das Saxophon wurde erst relativ spät erfunden und hatte es in Deutschland anfangs schwer, weil es klischeehaft mit reiner Unterhaltungs- und Tanzmusik gleichgesetzt und belächelt wurde. Ist Ihr Auftritt als „Dancing Queen“ auch eine lustvolle Replik auf dieses alte Vorurteil?
Asya Fateyeva: Vor allem ist es eine spannende Exkursion in die Alte Musik, in eine Ära, als das Saxophon ja noch gar nicht existierte. Im Barock schrieb man Musik oft sehr pragmatisch für die Melodieinstrumente, die gerade vor Ort verfügbar waren. Das Saxophon war damals leider noch nicht dabei – aber ich möchte mit diesem Programm zeigen, wie hervorragend und passend es eigentlich in diese Klangwelt hineingehört hätte.
Sie spielen in Marne zusammen mit der „lautten compagney BERLIN“ unter Wolfgang Katschner, die auf historischen Instrumenten musiziert. Wie reagieren denn diese feinsinnigen Barockinstrumente wie Cembalo oder Laute auf die dynamische Urgewalt Ihres Saxophons?
Asya Fateyeva: Angesichts dieser Urgewalt muss ich mich tatsächlich manchmal ein bisschen zähmen und viel mit der Luft zaubern. Wir haben im Programm ein sehr zartes Stück von Rameau, das ich nur im Duo mit der Laute spiele. Dabei gehe ich klanglich definitiv an die Grenzen. Das Schöne bei der Laute ist, dass der Klang quasi mit der Luft kreiert wird und im Raum stehen bleibt. Da versuche ich, mich mit meinem Instrument vollkommen hineinzuschmelzen. Es reizt mich extrem, diese feinen Grenzen zu erforschen.
Wie genau ist die Idee zu einem so außergewöhnlichen Programm überhaupt entstanden?
Asya Fateyeva: Das ist die direkte Fortsetzung unseres ersten gemeinsamen Programms namens „Time Travel“, das wir damals während der Corona-Zeit aufgenommen haben. Damals haben wir Bach mit den Beatles kombiniert. Das war eine so harmonische und musikalisch fruchtbare Zusammenarbeit, dass wir unbedingt ein Nachfolgeprojekt machen wollten. So kamen wir auf Rameau und ABBA. Das funktioniert wunderbar organisch, und wir sind mit der Lautenkompanie über die Zeit wie eine kleine Familie zusammengewachsen.
Gibt es eigentlich einen ABBA-Titel, der Ihnen so heilig ist, dass Sie gesagt haben: Den bearbeite ich lieber nicht?
Asya Fateyeva: Das ist eine sehr gute Frage, aber nein, tatsächlich nicht. Der Begriff „heilig“ passt für mich weder zu ABBA noch generell zur Musik. Je mehr man Musik liebt, desto größer ist doch das Bedürfnis, sie sich anzueignen, sich ihr anzunähern und sie in das eigene Spiel zu integrieren. Deswegen gibt es da für mich überhaupt keine Berührungsängste oder künstlichen Grenzen.
Bei unserem letzten Gespräch bedauerten Sie, vor lauter Proben und Interviews kaum Zeit zu haben, um die Konzertorte in Schleswig-Holstein genauer unter die Lupe zu nehmen. Diesmal führt Sie Ihr Weg unter anderem nach Marne. Haben Sie Ihre Reisetasche so gepackt, dass Sie die Dithmarscher Westküste ein bisschen genießen können?
Asya Fateyeva: Ich muss gestehen, ich habe mir leider wieder viel zu wenig freie Zeit eingeplant. Aber das ist das Faszinierende an Schleswig-Holstein: Ich entdecke trotz des engen Zeitplans wirklich jedes Mal aufs Neue wunderschöne Orte, die mich begeistern.
Warum sollte man sich Ihr Konzert in Marne auf keinen Fall entgehen lassen?
Asya Fateyeva: Weil wir auf der Bühne unglaublich viel Spaß an dieser Musik haben und diese reine Freude eins zu eins mit dem Publikum teilen. Wer sich also von unserer Energie anstecken lassen und etwas völlig Neues, Frisches hören möchte, sollte unbedingt vorbeikommen!
„Dancing Queen“
12. August, 19.30 Uhr
Maria-Magdalenen-Kirche Marne
13. August, 19.30 Uhr
Schleswiger Dom
Karten unter www.shmf.de und Tel.: 0431 23 70 70