Faster, Harder, Louder: „Hell over Wacken“

Pünktlich zum bevorstehenden Wacken Open Air 2026 (29. Juli – 1. August) sorgt der Wiener Autor Bastian Zach für den passenden literarischen Soundtrack: Mit „Hell over Wacken“ erscheint der zweite Metal-Krimi des Autors, der selbst seit über 35 Jahren leidenschaftlicher Metal-Fan ist. Darin schickt er sein ungleiches Ermittlerduo – Lars und seine Tochter Mia, eine Metal-Sängerin auf der Suche nach einem Neustart – erneut in das norddeutsche Festivalland. Was als Familienevent geplant war, wird schnell zum Albtraum: Die beiden stolpern mitten in eine grausame Mordserie, bei der die Opfer die Zahl „666“ auf der Stirn tragen und die Spuren bedrohlich nah an Lars‘ vermisste Partnerin Verena heranführen.

Im Gespräch verrät Bastian Zach was ihn an der Metal-Community als literarische Vorlage fasziniert.

Bastian Zach wurde 1973 in Leoben geboren und verbrachte seine Jugend in Salzburg. Als selbstständiger Schriftsteller und Drehbuchautor lebt und arbeitet er in Wien. 2020 wurde sein Krimi-Debüt »Donaumelodien – Praterblut« für den Leo-Perutz-Preis nominiert. Seit über 35 Jahren ist Bastian Zach eingefleischter Metal-Fan, die Liebe zur Musik inspirierte ihn zu dieser Fortsetzung seines Metal-Krimis.

Ihr neuer Krimi verbindet Festivalatmosphäre mit klassischem Thrillerstoff. Was hat Sie gereizt, das Wacken Open Air zum zweiten Mal zum Schauplatz einer Mordserie zu machen?

Das hat mich selbst wohl am meisten überrascht, denn die Handlung des ersten Teils war eigentlich komplett abgeschlossen. Meine Protagonisten haben darin auch einen klaren Entwicklungsbogen durchgemacht. Aber wie es beim Schreiben oft so ist: Man verliebt sich mit der Zeit ein bisschen in seine eigenen Figuren. Ich hatte das Gefühl, dass ich einfach noch etwas über Lars, seine Tochter Mia und die Band zu erzählen habe – und über all die anderen Charaktere, die den ersten Teil überlebt haben. So kam mir die Idee, sie erneut auf eine Reise nach Wacken zu schicken. Lars und Verena wollen dort eigentlich ihr einjähriges Zusammensein feiern. Doch genau daraus ergeben sich neue Verstrickungen und schließlich eine zweite Mordserie.

Viele Besucher beschreiben Wacken als eine Mischung aus Gemeinschaft, Chaos, Mythos und Grenzerfahrung. Warum eignet sich dieser Mikrokosmos so perfekt für Ihre Kriminalgeschichten?

Wacken hat einen entscheidenden Vorteil: Im deutschsprachigen Raum kennt es einfach jeder. Das Festival ist ein fester Begriff und omnipräsent in den Medien. Man muss den Leuten – selbst jenen, die überhaupt nicht rock- oder metal-affin sind – nicht lange erklären, was das für ein Ort ist. Bei anderen Festivals wie dem Hellfest wäre das schon schwieriger. Hinzu kommt meine persönliche Erfahrung: Ich war selbst schon mehrfach dort und habe erlebt, wie besonders die Atmosphäre ist. Es ist eine ganz eigene, im positiven Sinne eingeschworene Gemeinschaft. Gleichzeitig ist diese Community extrem offen: Wer zum ersten Mal dorthin fährt, wird genauso herzlich aufgenommen wie jemand, der schon zum zehnten Mal dabei ist. Dieses Zusammenspiel aus dem Publikum, den Bands und der Einbindung des gesamten Dorfes macht es erzählerisch wahnsinnig spannend.

Sie haben das Ermittlerduo bereits angesprochen. Lars und Mia sind Vater und Tochter. Was interessiert Sie an dieser familiären Dynamik?

Ich habe diese Konstellation bewusst gewählt, um abseits des eigentlichen Kriminalfalls eine interessante Entwicklung zu haben. Natürlich liest man einen Krimi wegen des Falls, aber ohne packende Charaktere ist das nur die halbe Miete. Dieses Vater-Tochter-Verhältnis, das jahrelang überhaupt nicht existierte und nun durch einen Zufall wiederbelebt wird, hat mich schon im ersten Band irrsinnig gereizt. Im zweiten Teil hatte ich jetzt die schöne Möglichkeit, das weiter auszubauen. Beim ersten Mal steht das gegenseitige Kennenlernen im Vordergrund. Jetzt stellt sich die Frage: Was hat sich seither getan? Beide haben sich weiterentwickelt. Wie gehen sie nun miteinander um?

Muss man den Vorgängerband eigentlich gelesen haben, um die Fortsetzung zu verstehen?

Diese Frage wird mir oft gestellt, aber die klare Antwort lautet: Nein. Ich bemühe mich grundsätzlich die Leser bei jedem Band neu an die Charaktere heranzuführen. Ich rekapituliere kurz, was bisher passiert ist und warum die Figuren an dem Punkt stehen, an dem sie sind. Man kann schließlich von niemandem erwarten, dass er zwei Jahre lang nichts anderes tut, als auf das neue Buch zu warten, und noch jedes Detail im Kopf hat. Wer also direkt mit dem zweiten Band einsteigen möchte, wird definitiv genauso seinen Spaß haben. Das Lesen des ersten Teils ist ein schöner Bonus für die Figurenentwicklung, aber kein Muss.

Im vergangenen Sommer haben Sie in Wacken selbst auf der „Welcome to the Jungle“-Stage gelesen. Wie fühlt es sich an, wenn man als Autor plötzlich vor einer Festival-Crowd steht?

Das war für mich als Autor ein absolutes Highlight. Normalerweise ist man als Schriftsteller ein eher ruhiges, abgeschlossenes Umfeld gewohnt. Bei einer klassischen Lesung kommen vielleicht zwischen 20 und 60 Leute. Man ist es schlicht nicht gewohnt, auf einer riesigen Bühne vor so einer großen Kulisse aufzutreten – das hatte ich vorher noch nie gemacht. Da hatte ich durchaus gehöriges Muffensausen. Ich weiß zwar, dass Metal-Fans grundsätzlich sehr offen für neue Erfahrungen sind, aber im Hinterkopf fragt man sich natürlich: Was passiert, wenn das jetzt vollkommen in die Hose geht? Ich bin dann einfach ins kalte Wasser gesprungen, raus auf die Bühne und habe die Fans begrüßt. Sie haben sofort lautstark zurückgebrüllt. Damit war das Eis gebrochen. Es war eine fantastische Erfahrung.

Wie hat die Metal-Community denn insgesamt auf Ihre Krimis reagiert? Schließlich schreiben Sie über ihre eigene Szene.

„Hell over Wacken“ ist eines der Bücher, auf die ich bisher die meisten Reaktionen bekommen habe – und zwar fast ausschließlich positive. Viele haben mir geschrieben, wie froh sie darüber sind, dass endlich jemand die Metalszene in all ihren Facetten so abbildet, wie sie wirklich ist: mit dem nötigen Hintergrundwissen, aber auch mit einem Augenzwinkern. Den Fans ist es wichtig, dass da niemand über eine Subkultur schreibt, die er gar nicht kennt. Der Austausch via Social Media, E-Mail oder direkt vor Ort hat mir wahnsinnig viel Spaß gemacht. Ich konnte es erst gar nicht glauben, aber einige Fans haben tatsächlich ihre Bücher von zu Hause mit aufs Festival geschleppt, nur um sie nach der Lesung von mir signieren zu lassen. Das hat mich absolut umgehauen.

Sie sind selbst seit Jahrzehnten in der Metalkultur verwurzelt. Was fasziniert Sie persönlich so stark an dieser Musik und ihrer Gemeinschaft?

Ich höre Heavy Metal, seit ich 14 Jahre alt bin – das ist inzwischen fast 40 Jahre her. Für mich ist es primär die pure Emotion und die Energie, die diese Musik transportiert. Ich sage immer: Metal macht gute Zeiten noch besser und schlechte Zeiten erträglicher. Das liegt auch daran, dass das Genre eine enorme Bandbreite an unterschiedlichen Stilrichtungen abbildet. Man findet für jeden Gemütszustand und jede Gelegenheit die passende Band. Das Zweite ist die Community selbst. Seit ich mit 16 oder 17 Jahren angefangen habe, auf Konzerte zu gehen, erlebe ich diese Szene als überwältigend positiv, tolerant und integrativ. Es gibt dort gefühlt viel weniger Ausgrenzung oder Missgunst als in anderen Bereichen. Es herrscht einfach das Gefühl vor, dass man gemeinsam die Musik feiern will, die uns alle verbindet.

Arbeiten Sie bereits am dritten Band, um die Trilogie komplett zu machen?

Das ist eine berechtigte Frage, aber ich muss ehrlich gestehen, dass ich sie noch gar nicht beantworten kann. Ich kenne die Antwort selbst noch nicht. Das Buch ist gerade frisch auf dem Markt. Ich freue mich jetzt im ersten Schritt auf die Resonanz und das Feedback der Leserinnen und Leser – und dann werden wir sehen, wohin mich der Weg als Nächstes führt.

Bastian Zach: „Hell over Wacken“
416 Seiten, 12,5 x 20,5 cm, Paperback
Gmeiner Verlag
Print 15,– € / E-Book 11,99 €
ISBN 978-3-8392-8104-8