SHMF: Kraja: Klingendes Nordlicht

Vier Stimmen, die wie klarer Nordwind über Seen und Wälder streichen: Das schwedische Folkmusik-Quartett „Kraja“ entführt in eine Klangwelt von schlichter Schönheit und großer emotionaler Tiefe. Im Juli kommen die Sängerinnen im Rahmen des Schleswig-Holstein Musik Festivals (SHMF) nach Heide und Lübeck. Gründungsmitglied Lisa Lestander verriet unserer Zeitung, was das Publikum erwartet.

Das schwedische A-cappella-Folkquartett KRAJA kommt im Juli zum SHMF. Foto Andreas Nilsson

Das Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF) stellt in diesem Jahr die Musikmetropole Stockholm in den Mittelpunkt. Wie fühlt es sich für euch als schwedisches Ensemble an, gewissermaßen als musikalische Botschafterinnen eures Heimatlandes beim SHMF aufzutreten?

Lisa Lestander: Stockholm ist zwar nicht unsere Heimatstadt, aber natürlich die Hauptstadt unseres Heimatlandes. Und ich habe dort viele Jahre gelebt. Im Moment wohnen wir in Nordschweden, aber wir freuen uns wirklich auf die Konzerte in Schleswig-Holstein.  

Worauf darf das Publikum zu freuen?

Wir werden einen Querschnitt unserer Alben singen, also schwedischen Folkgesang in unseren speziellen Harmonien. Wir hoffen, dass wir mit dieser Musik die schwedische Seele einfangen und sie den Menschen näherbringen können.

Was bedeutet der Name Kraja?

Es ist ein samisches Wort, also von der indigenen Bevölkerung Schwedens, und bedeutet „der Ort, nach dem man sich sehnt“.

Ihr seid seit über zwei Jahrzehnten als Kraja unterwegs. Wenn ihr auf eure Anfänge zurückblickt, hat sich die Art und Weise, wie ihr singt, im Laufe der Jahre verändert?

Wir singen immer noch schwedische Folkmusik, obwohl wir auch immer öfter eigene Musik schreiben. Ich würde sagen, dass sich die Harmonien weiterentwickelt haben. Unsere Arrangements sind etwas komplexer als am Anfang. Als wir anfingen, waren wir Teenager. Mit dem Älterwerden haben sich auch unsere Stimmen verändert. Sie werden ein wenig reicher und tiefer.

Apropos Harmonie. Euer Motto lautet: „vier Stimmen, ein Atemzug“. Das klingt nach perfekter Harmonie. Geht es hinter den Kulissen genauso harmonisch zu wie auf der Bühne?

Die meiste Zeit schon. Wir singen seit fast 25 Jahren in derselben Formation zusammen, das ist ziemlich einzigartig in der Musikbranche. Natürlich gibt es manchmal Herausforderungen, aber irgendwie haben wir auf magische Weise eine sehr gemeinsame Vision für Kraja gefunden und von der Art, wie Musik klingen soll.

Ihr sagt, ihr wollt die alten Lieder singen, als wären sie gerade erst entstanden? Wie schafft ihr das?

Für mich persönlich hat es viel damit zu tun, mich in den Texten wiederzufinden. Das ist etwas, das mich bei alten traditionellen Liedern immer fasziniert hat: dass wir uns – auch wenn sie vor langer Zeit von Menschen geschrieben wurden, die ganz andere Leben führten – immer noch in ihnen wiederfinden können. Der Mensch hat sich nicht so sehr verändert. Wir denken immer noch über dieselben Dinge nach und wundern uns über dieselben Dinge.

Woher nehmt ihr die Inspiration für eure eigenen Stücke?

Es geht um das, was zwischen den Tönen passiert, dort entsteht unsere eigentliche Sprache. Die Natur ist unsere größte Inspirationsquelle – sie gibt uns die Ruhe und die Klarheit, die wir in unseren Liedern suchen.

Gibt es nach über 20 Jahren noch unerforschte Ecken in der schwedischen Folklore oder musikalische Pfade, die ihr unbedingt noch betreten wollt?

Ich glaube, es gibt immer Neues zu entdecken, besonders wenn man traditionelle Musik mit dem Schreiben eigener Musik mischt. Aktuell erforschen wir gerade, wie unser nächstes Album aussehen könnte.

Warum sollte man euer Konzert beim SHMF nicht verpassen?

Ich möchte jeden, der neugierig auf Folkmusik und A-Cappella-Gesang ist, ermutigen, zu unserem Konzert zu kommen. Wir hören oft von unserem Publikum, dass es die Seele berührt, uns zuzuhören. Davon brauchen wir mehr in dieser Welt: berührt zu werden, unsere Herzen zu öffnen und den tieferen Sinn hinter dem Leben zu spüren.

Kraja: „Nordic Folk a cappella“

Dienstag, 28. Juli, 19.30 Uhr
Johann Hinrich Wichern Kirche Lübeck

Mittwoch, 29. Juli, 19.30 Uhr
St. Jürgen Kirche Heide
Restkarten unter www.shmf.de, Telefon: 0431 23 70 70 und an der Abendkasse