Nick Ashby, Bariton der King’s Singers, über das SHMF-Programm AFTONEN, skandinavische Vokale und sechs Jahrzehnte a cappella
Sie sind das bekannteste a-cappella-Ensemble der Welt, seit fast sechzig Jahren auf der Bühne und noch immer neugierig wie am ersten Tag. In diesem Jahr bringen die King’s Singers ihr Programm AFTONEN zum Schleswig-Holstein Musik Festival (SHMF): ein musikalischer Abend, der von der Renaissance bis zum schwedischen Troubadour reicht. Andreas Guballa sprach mit Nick Ashby, seit 2019 zweiter Bariton der Gruppe, über die Kunst des Zusammenklingens – auf der Bühne und hinter den Kulissen..

Nick, die King’s Singers sind wohl das bekannteste a-cappella-Ensemble der Welt. Wie schafft man es, über so viele Jahrzehnte erfolgreich zu bleiben?
Zum einen versuchen wir immer, relevant zu bleiben, mit der Zeit zu gehen. Gleichzeitig ehren wir die Geschichte und das Erbe der Gruppe: Wir singen noch immer einige der ältesten Arrangements, sogar die allerersten, die je für uns geschrieben wurden. Und zugleich versuchen wir, neue Musik in die Welt zu bringen, neue musikalische Wege zu erkunden. Das ist es, was andere Ensembles und das Publikum hoffentlich an uns interessant findet.
In den letzten Jahren gab es einige Wechsel im Ensemble. Wie funktioniert dieser Übergang, wenn ein Sänger geht und ein neuer dazukommt?
Veränderungen sind immer seltsam und können schwierig sein. Aber die Besetzung, der ich 2019 beigetreten bin, hat sechs Jahre lang zusammengehalten – das ist tatsächlich die längste konstante Besetzung seit der allerersten der King’s Singers in den 1960er-Jahren.
Unser Ensemble läuft wie ein gut geschmierter Motor. Wenn dann ein neues Mitglied dazukommt, ist es tatsächlich ganz leicht, es in diese Gruppe aufzunehmen. Wir arbeiten sehr daran, offen zu sein und einander zu verstehen, damit neue Mitglieder so schnell wie möglich spüren, dass sie zu gleichen Teilen Stimme und vollwertiger Teil der Gruppe sind. Wenn wir alle sechs auf Augenhöhe agieren, geben wir das Beste von uns – und das spürt man auf der Bühne.
Sie touren jedes Jahr um die Welt und verbringen sehr viel Zeit miteinander. Geht es hinter den Kulissen immer so harmonisch zu wie auf der Bühne?
Ja und nein. Jeder hat schlechte Tage und großartige Tage. Wir touren viel zusammen – manche sagen, wir verbringen mehr Zeit miteinander als mit unseren Lebenspartnern. Also versuchen wir, einander so gut wie möglich zu verstehen: zu wissen, wann jemand Raum braucht, und wann er gesellig ist. Ich glaube, wir haben eine gute Balance gefunden. Am Anfang jedes unserer Treffen gibt es ein sogenanntes Check-in: Wir sprechen alle miteinander, beantworten ein paar Fragen darüber, wie es uns geht, was gerade in unserem Leben passiert, ob es etwas gibt, das uns persönlich oder beruflich beschäftigt. Das ist eine gute Möglichkeit, die mentale Verfassung des anderen besser zu verstehen. Es ist einfach schön, mit fünf anderen fantastischen Menschen auf Tour zu gehen, erstaunliche Winkel der Welt zu bereisen und sich als Musiker wie als Menschen wirklich gut zu verstehen.
Die King’s Singers sind seit Langem gern gesehene Gäste beim Schleswig-Holstein Musik Festival. Was schätzen Sie an diesem Festival besonders?
Das Festival ist unglaublich – allein die Bandbreite der Musik, die über diese fast zwei Monate hinweg erklingt. Eine phänomenale Institution. Wir sind stolz auf unsere Verbindung zum Festival und auf den kleinen Teil, den wir darin spielen. Die Meisterkurse, die wir seit Jahrzehnten in Lübeck geben, sind für uns außerordentlich bereichernd. Wir haben die Chance, mit einer Handvoll Ensembles aus ganz Deutschland – manchmal sogar aus noch weiter entfernten Ländern – zu arbeiten. Wir verbringen ein paar Tage mit ihnen, arbeiten an ihrer Ensemble-Technik, an ihren Auftrittsfähigkeiten und lernen dabei selbst enorm viel von ihnen, genauso wie sie hoffentlich von uns.
Was erwartet das Publikum bei AFTONEN, dem Programm, das Sie in diesem Jahr nach Wesselburen bringen?
Das Motto Stockholm hat uns sofort begeistert. Wir sind erst im vergangenen September in Stockholm aufgetreten und haben dort großartige Freunde unter den schwedischen A-cappella-Musikern wie The Real Group und eine wunderbare schwedische Barbershop-Gruppe, mit der wir erst vor wenigen Tagen in der Wigmore Hall in London aufgetreten sind. Unser Programm schöpft viel aus den Freundschaften und der Musik, die wir durch sie kennengelernt haben. Und es erkundet auch andere schöne Ecken. Es gibt einen Konzertteil namens „Besuch bei den Nachbarn“, in dem wir in andere skandinavische Länder musikalisch erkunden. Eröffnet wird das Programm von dem wunderbaren Madrigal des englischen Renaissance-Komponisten Thomas Weelkes „Thule“, ein Werk, das von Vulkanen und magischen Orten im hohen Norden handelt und wie ein perfekter Start in unsere Schweden-Reise wirkt.
Wie schwierig ist es für ein britisches Ensemble, die Feinheiten eines schwedischen Liedes oder gar eines finnischen Volkslieds korrekt auszusprechen?
Bei den King’s Singers arbeiten wir sehr hart an sprachlicher Sorgfalt. Wo immer wir in der Welt auftreten, versuchen wir stets, ein Stück in der Sprache des Landes zu singen, in dem wir spielen – ob China, Japan oder Korea. Wir holen uns immer Hilfe von Muttersprachlern für Aussprache-Coaching. Schwedisch ist besonders knifflig: Es gibt Vokale, die keiner von uns je zuvor gebildet hat – geschweige denn gesungen. Finnisch hingegen wird einfacher, sobald man sich an die Klangwelt gewöhnt hat und begreift, dass bei langen Wörtern immer die erste Silbe betont wird. Es ist eine Sprache wie keine andere in Europa.
Das Repertoire reicht von der Renaissance-Fantasie „Thule“ bis zum Troubadour Evert Taube. Wie wählen Sie Werke aus, die so unterschiedlich sind?
Das liegt in der DNA der King’s Singers – und das ist etwas, woran alle sechs von uns, und jede zukünftige Besetzung, glauben müssen. Unsere Philosophie lautet: Es gibt großartige Musik in allen Genres, und sie alle verdienen es, gehört und gefeiert zu werden. Und oft entsteht echte Magie, wenn man verschiedene Genres nebeneinanderstellt – manchmal ganz unerwartet.
Warum sollte das Publikum das Konzert der King’s Singers auf keinen Fall verpassen?
Es sollte für jeden etwas dabei sein. Etwas, das das Publikum kennt und liebt und etwas, das man vielleicht noch nie gehört hat, in das man sich aber hoffentlich verliebt. Und wer nicht mit einem Lächeln und federnden Schrittes das Konzert verlässt, darf an der Kasse sein Geld zurückfordern.
King’s Singers · AFTONEN
Montag, 21. Juli 2026, 19:30 Uhr
Schleswiger Dom
Dienstag, 21. Juli 2026, 19:30 Uhr
St. Bartholomäuskirche Wesselburen
23. – 26. Juli 2026
Masterclass
Musikhochschule Lübeck
Samstag, 25. Juli, 19.30 Uhr
A-Cappella-Nacht
Musik- und Kongreßhalle Lübeck
Sonntag, 26. Juli, 17 Uhr
Faszination A-cappella
Musikhochschule Lübeck
Restkarten: 0431 23 70 70 und an der Abendkasse