Im April tourt der Kabarettist Bernd Stelter in Schleswig-Holstein mit seinem aktuellen Programm „Reg’ dich nicht auf, gibt nur Falten!“. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, warum wir Deutschen uns so gerne über Kleinigkeiten ärgern und wie man lernt, die Zornesfalte einfach mal wegzulächeln.

Ihr Programm befasst sich mit den alltäglichen Dingen, die uns auf die Palme bringen. Was sind denn aktuell Ihre persönlichen „Favoriten“ unter den Aufregern?
Bernd Stelter: Ich arbeite tatsächlich aktiv daran, mich nicht mehr über jeden Mist aufzuregen; das kann man sich fest vornehmen. Wenn man von Heide aus die paar Kilometer nach Dänemark fährt, trifft man auf Menschen, die deutlich zufriedener sind als wir. Das ist kaum rational erklärbar. Wir Deutschen regen uns über alles Mögliche auf: die Schlange an der Kasse, das Knöllchen an der Scheibe oder das Verhalten im Straßenverkehr. Früher dachte ich, Tempo 100 in den Niederlanden sei eine Strafe. Heute weiß ich: Man fährt dort völlig entspannt. Kaum überquert man die Grenze nach Deutschland, klebt einem wieder jemand mit 240 an der Stoßstange und gibt die Lichthupe. Wir müssen einfach lernen, gelassener zu werden.
Gab es einen bestimmten Moment, der den Anstoß für dieses Programm gab?
Es war genau dieses Gefühl im Straßenverkehr und der Vergleich mit anderen Ländern. Ich war zum Beispiel einmal in Australien; die Menschen dort sind unglaublich entspannt und freundlich. Da fragt man sich: Sind eigentlich nur wir Deutschen so verbissen? Ich wollte Wege finden, dem Publikum mit Humor zu zeigen, wie man diesen Teufelskreis aus Ärger und Stress durchbricht.
Sind Sie denn im Privatleben mittlerweile der tiefenentspannte Mensch, den Sie auf der Bühne predigen?
Natürlich gelingt mir das auch nicht immer. Es gibt immer noch Momente, in denen ich denke: „Mann-o-Mann, jetzt muss ich mich aber mal kurz aufregen!“ Aber im Durchschnitt bin ich deutlich gelassener geworden. Das tut gut. Wenn man abends zufrieden ins Bett geht, statt über den Ärger des Tages zu grübeln, ist das Lebensqualität.
Viele Kabarettisten stürzen sich aktuell auf die schwere Weltpolitik. Sie bleiben lieber beim Menschlichen. Ist das eine bewusste Flucht ins Private?
Ich sehe mich als Kabarettist, aber nicht als tagespolitischen Chronisten. Ich habe keine Lust, alle zwei Wochen mein Programm umzuschreiben, nur weil eine neue Sau durchs Dorf getrieben wird. Trotzdem ist mein Programm politisch: Ich spreche zum Beispiel über Respekt. Das ist ein riesiges Thema, bei dem in unserer Gesellschaft gerade viel schiefläuft. Wir müssen wieder respektvoller miteinander umgehen. Das ist für mich eine zutiefst politische Botschaft, auch ohne Tagespolitik.
Sie touren mit dem Programm durch ganz Deutschland. Gibt es regionale Unterschiede dabei, wie die Menschen lachen?
Erstaunlicherweise kaum noch. Früher war das anders. Ich erinnere mich an einen Auftritt in Schuby. Die Leute saßen da, haben kaum geklatscht und ich dachte: „Oje, denen gefällt es gar nicht.“ Nach der Show haben sie mir dann so viele Platten abgekauft wie kaum zuvor. Die Norddeutschen waren früher einfach etwas zurückhaltender im Ausdruck. Heute hat sich das angeglichen.
Sie bewerben den Abend als „Schönheitsbehandlung ohne Botox“. Funktioniert das wirklich?
Absolut! Wer weniger zornig ist und mehr lächelt, wirkt attraktiver. Ich habe da ein schönes Beispiel: In der Vorweihnachtszeit sagte ich zu einer Verkäuferin in der Fleischerei: „Ich wünsche Ihnen noch zwei ruhige Tage, damit Sie entspannt Weihnachten feiern können.“ Die Frau war fast zu Tränen gerührt und sagte, das hätte in den letzten drei Tagen niemand zu ihr gesagt, alle hätten nur gedrängelt und geschimpft. Ein Lächeln und ein freundliches Wort kosten nichts, verändern aber alles. Dafür werbe ich in meinem Programm.
Wie geht es nach der „Anti-Falten-Kur“ bei Ihnen weiter?
Mein nächstes Projekt wird wieder ein Liederprogramm. In meinen Kabarettshows gibt es immer etwa sieben Lieder, die nach der Tour oft in der Versenkung verschwinden. Das finde ich schade. Deshalb drehen wir das Verhältnis beim nächsten Mal um: 70 Prozent Musik, 30 Prozent Wort. Der Titel steht auch schon fest: „Sonne im Herzen, nur Blödsinn im Kopf“.
Warum sollte man sich Ihr Programm nicht entgehen lassen?
Weil viele Zuschauer nach der Show zu mir kommen und sagen: „Wissen Sie was, ich werde mich in Zukunft wirklich weniger aufregen.“ Wenn ich das erreiche, bin ich zufrieden. Und ganz persönlich: Ich freue mich auf Schleswig-Holstein, weil ich zwischendurch einfach mal wieder den Norden brauche.
Eintrittskarten sind erhältlich online unter www.ma-cc.com, bei Eventim, Reservix und an allen bekannten Vorverkaufsstellen.