Klarinettistin Sabine Meyer läutet beim SHMF ihren Abschied vom Konzertleben ein

Es wird eine musikalische Begegnung der ganz besonderen Art: Der diesjährige SHMF-Porträtkünstler Fazıl Say trifft beim SHMF auf die Klarinettistin Sabine Meyer und die Saxophonistin Asya Fateyeva, die als Porträtkünstlerinnen 2018 bzw. 2024 ganz Schleswig-Holstein verzauberten. Gemeinsam mit dem renommierten Goldmund Quartett aus München zelebrieren die drei Meilensteine der Kammermusikliteratur – wie etwa Robert Schumanns Klavierquintett op. 44 oder Francis Poulencs Klarinettensonate, die mit poetischer Klangsprache zwischen Mozart’scher Melancholie und barocker Beweglichkeit changiert. 

Klarinettistin Sabine Meyer. Foto John Garve

Frau Meyer, Sie sind bei zwei SHMF-Konzerten in Dithmarschen zu erleben. Am 16. Juli in Wesselburen und am 2. August in Marne. Worauf darf das Publikum sich bei Ihrem Auftritt in der St. Bartholomäus Kirche freuen?

Das Konzert steht ja unter dem Motto „Mit Freunden“ und ich freue mich, dabei sein zu dürfen. Mit Fazıl Say habe ich schon viele schöne Konzerte als Duo-Partner gespielt. Beim SHMF 2011 habe ich sein „Konzert für Klarinette und Orchester“ und beim Kissinger Sommer 2012 seine Sonata uraufgeführt. Er ist ein toller, spannender Musiker. In Wesselburen werden wir zusammen Francis Poulenc „Sonate für Klarinette und Klavier“ spielen, ein wunderbares Werk, das Trauer, Lyrik und Feuer in nur rund 14 Minuten komprimiert. Ein Stück französischer Eleganz mit großer Ausdruckskraft. Wir sehen uns am Montag nach langer Zeit wieder und ich freue mich, auf das Zusammentreffen – auch mit Asya Fateyeva, die ja wie ich an der Musikhochschule Lübeck unterrichtet. Mit dem Goldmund Quartett habe ich auch schon viele schöne Konzerte gespielt. Das wird bestimmt ein sehr schönes und vor allem abwechslungsreiches Programm.

Sie sind seit vielen Jahren eng mit dem Schleswig-Holstein Musik Festival verbunden, waren 2018 dessen Porträtkünstlerin. Was schätzen Sie am SHMF?

Ich liebe die vielen besonderen Spielstätten. Dadurch kommen Menschen ins Konzert, die sonst vielleicht nicht so viel mit dem Klassikbetrieb anfangen können. Es gibt keinen strikten Dresscode wie sonst im Konzertsaal. Aber es sind auch die Menschen, die für das Festival stehen. Man kommt als Künstlerin an und wird wunderbar umsorgt. Es gibt tolles Essen und nach dem Konzert schöne Gespräche beim Künstlertreff. Das ist ein Rundum-Wohlfühlpaket, das es im normalen Musikbetrieb so nicht gibt. Deshalb ist es immer wieder besonders, auf dem Festival zu spielen.

Gibt es besondere Momente, an die Sie sich erinnern?

Ich erinnere mich an ein Konzert, bei dem es in Strömen geregnet hat, und der Regen, der aufs Scheunendach prasselte, lauter war als unser Pianissimo. Und dann hat es noch reingeregnet und wir mussten Eimer aufstellen. Oder in einem anderen Fall war es so heiß, dass man es kaum ausgehalten hat. Eine besondere Herausforderung ist es auch, wenn man auf Stöckelschuhen über irgendeinen Acker auf die Bühne kommen muss. Das ist gar nicht so einfach. Aber sowas meistert man immer irgendwie und hinterher lacht man darüber.

Sie haben vor einiger Zeit angekündigt, sich schrittweise von der Konzertbühne zurückzuziehen. Was war ausschlaggebend für diese Entscheidung?

Ich finde: Man muss aufhören, wenn man sich noch wohlfühlt auf der Bühne und noch gut spielt; und nicht, wenn die Leute sagen: Die hat schon mal besser gespielt. Ich werde ja nicht jünger. Das ist als Bläser vielleicht auch noch ein bisschen anders als als Pianist oder als Geiger. Noch fühle ich mich toll und habe nach wie vor wahnsinnige Lust zu spielen – das hat in keinem Fall nachgelassen. Aber man muss seinen Abschied ja vorausschauend planen. Es war einfach eine lange Zeit mit vielen Entbehrungen. Jetzt beginnt für mich ein neues Leben, das ausgefüllt sein wird. Wir haben vier wunderbare Enkelkinder, wir haben Pferde und uns gerade noch einen Hund angeschafft. Einen großen Biogarten gibt es auch. Das alles nimmt genug Zeit in Anspruch. Mir wird’s nicht langweilig.
Am 15. Dezember spiele ich mein letztes Konzert. Bis dahin genieße ich den Sommer noch mit meinen Auftritten beim SHMF und verabschiede mich von meinem hiesigen Publikum.

Werden Sie die Bühne und das Reisen vermissen?

Die Bühnen vielleicht nicht, aber die vielen wahnsinnig schönen Stücke, die man mit tollen Musikern gespielt hat. Das ist einfach unglaubliche Literatur. Dass man das nicht mehr spielt, ist schon ein bisschen traurig. Andererseits habe ich das wirklich oft gemacht und mit grandiosen Musikern gespielt.
Was ich bestimmt nicht vermissen werde, sind die Hotels und das Reisen. Ich bin froh, nie mehr schlecht im Hotel schlafen zu müssen oder auf der Bühne zu stehen, auch wenn man sich nicht gut fühlt. Ich glaube, ich habe in 50 Jahren zwei Konzerte abgesagt, weil es wirklich nicht ging. Sonst spielt man auch mit 39 Grad Fieber, Schnupfen oder Husten, weil es das Publikum ja erwartet. Dieser Stress und diese Momente sind dann glücklicherweise vorbei.

Werden Sie privat noch Klarinette spielen oder legen Sie das Instrument dann tatsächlich für immer aus der Hand?

Das wird sich zeigen. Ich werde garantiert noch ein bisschen mit den Kindern und im familiären Umfeld spielen. Ich habe immer sehr gern Klavier gespielt und werde das jetzt vielleicht wieder mehr tun. Und ich werde in Konzerte gehen. Wenn man immer unterwegs ist und Konzerte spielen, geht man wirklich viel zu selten in andere Konzerte. Oder ins Theater und Kino. Das hole ich jetzt nach.