Das Duo Francesco Negro & Gabriele di Franco lädt im Rahmen des nächsten Internationalen Sommerkonzerts am Montag, den 28. Juli zu einer emotional vielschichtigen Reise durch Klangwelten zwischen Akustik und Elektronik ein. Das Programm vereint eigene Kompositionen mit einer berührenden Neuinterpretation des Filmsongs „Oh My Love“ von Riz Ortolani.

Ihr aktuelles Programm trägt den Titel Cantabile. Was darf das Publikum erwarten?
Cantabile ist eine stille Reise – eine Fortsetzung der klanglichen Erkundung, die wir mit unserem ersten Album Synolon begonnen haben. Diesmal legen wir jedoch einen stärkeren Fokus auf Melodie und Lyrik. Am besten lässt sich dieses Konzert erleben, wenn man sich ganz auf den Moment einlässt – ohne Erwartungen. Es ist ein Weg zwischen komponierter und improvisierter Musik, bei dem auch der Raum, die Akustik und das Publikum Teil des Geschehens werden.
Viele Ihrer Stücke – wie Peace, Dopo Tutto oder LAMA – erzählen sehr persönliche Geschichten. Warum ist das für Sie wichtig, und wie übersetzen Sie diese Emotionen in Musik?
Wir versuchen, Stimmungen, Atmosphären und innere Bilder in Musik zu übersetzen – immer auf der Suche nach einem Gleichgewicht, ohne uns stilistische Grenzen zu setzen. Jedes Stück hat seine eigene kleine Geschichte, die sich in der kompositorischen Idee widerspiegelt.
Ein Beispiel: Dopo Tutto ist eine Reflexion über Verlust – und die Frage, wie man die Ambivalenz solcher Gefühle musikalisch ausdrücken kann. Das Stück beginnt in a-Moll, wechselt nach A-Dur und kehrt schließlich ins Moll zurück. Diese Bewegung spiegelt ein inneres Schwanken zwischen Hoffnung und Enttäuschung, zwischen Annahme und Nostalgie.
Peace hingegen arbeitet mit zyklischen Harmonien, die sich bei jeder Wiederholung verändern – ein Spiel zwischen Repetition und Variation, das neue Klangräume öffnet.
Gabriele, Sie kommen aus der Welt der Big-Band-Arrangements und haben mit LULELA ein partizipatives Musiktheaterprojekt entwickelt. Wie wirkt sich diese Erfahrung auf das kammermusikalische Zusammenspiel im Duo aus?
(Gabriele) Eine Konstante in all meinen Projekten ist das Erzählen – die dramaturgische Herangehensweise. Ob bei einer großen Form oder in einem kurzen Stück: Ich denke immer in Geschichten. Diese Haltung übertrage ich auch ins Duo mit Francesco. Unsere langjährige musikalische Verbindung ermöglicht es uns, diese narrative Tiefe ganz natürlich zu entfalten. Auch in der Improvisation behalten wir dadurch eine klare klangliche und erzählerische Richtung.
Francesco, in Ihrem musikalischen Vokabular lassen sich Einflüsse von John Cage bis Thelonious Monk erkennen. Wie formen Sie daraus einen persönlichen Stil – etwa in Stücken wie At The Border oder Last Song?
(Francesco) Das passiert ganz natürlich. Es ist wie bei einem Schriftsteller, der viele verschiedene Autoren liest: Diese Einflüsse fließen irgendwann unbewusst in die eigene Sprache ein. Ich bewundere die genannten Musiker sehr, aber ich versuche, ohne Absicht oder Kalkül zu schreiben und zu spielen. Für mich zählt vor allem, dass ich etwas Persönliches mitteile.
Die Kombination aus Gitarre, Klavier und Elektronik ist eher ungewöhnlich. Wie entstehen Ihre Arrangements?
Unsere Zusammenarbeit begann vor einigen Jahren – trotz der Distanz zwischen Italien (Francesco) und Belgien (Gabriele). Durch intensive Probenphasen in sogenannten Artistic Residencies konnten wir unsere Stücke gemeinsam erarbeiten. Schon früh hat sich dabei ein unverwechselbarer „Sound“ entwickelt, der immer dann entsteht, wenn unsere Instrumente aufeinandertreffen. Unsere Arrangements entstehen im Dialog – jeder bringt seine musikalischen Ideen und Erfahrungen ein. Die beiden bisher veröffentlichten Alben sind Momentaufnahmen dieser gemeinsamen Reise.
Sie haben beide eine fundierte akademische Ausbildung genossen, sich aber auch künstlerisch frei entfaltet. Wie wichtig ist Ihnen diese Freiheit jenseits klassischer oder jazztypischer Repertoires?
Unsere musikalische Persönlichkeit ist das Ergebnis all unserer Erfahrungen – sowohl akademischer als auch persönlicher. Was zählt, ist Authentizität. Das Studium der Improvisation hat uns gelehrt, besser zuzuhören, spontaner zu reagieren und kreativer zu denken. Unsere Zusammenarbeit lebt davon, dass wir zwei unterschiedliche musikalische Welten zusammenführen, die sich gegenseitig bereichern und in unserem Duo zu einer gemeinsamen künstlerischen Sprache finden.
Sie treten im Meldorfer Dom auf – einem Raum mit besonderer Akustik und Atmosphäre. Wie beeinflusst so ein Ort Ihre Musik?
Unser Spiel beeinflussen verschiedene Faktoren: das eigene Instrument, das Zusammenspiel, das Publikum – und natürlich der Raum. Wir freuen uns auf die besondere Akustik des Doms. Sie wird zweifellos einen starken Einfluss auf unser Spiel haben. Wir möchten die langen Nachhallzeiten nicht nur akzeptieren, sondern aktiv in unsere Musik einbauen und mit ihnen interagieren. Abschließend lässt sich das wohl erst nach dem Konzert beantworten.
Warum sollte man Ihr Konzert auf keinen Fall verpassen?
Weil es eine intime und ehrliche Musikerfahrung ist. Unser Konzert ist keine bloße Abfolge von Stücken – es ist ein geteilter Moment. Es gibt Raum für Melodie, für Stille, für echtes Zuhören. Und für Begegnung – zwischen uns, mit dem Publikum und mit dem Raum.